Interview mit Ratskandidat Philipp Tacer

Hallo Philipp, zum Warmwerden habe ich ein paar unverfängliche Fragen an dich.

Wie geht es dir?

Danke, mir geht es soweit gut. Ich beantworte diese Fragen kurz vor dem Wochenende, während ich noch auf den Beginn einer Videokonferenz warte. Nach der Videoschalte beginnt das Wochenende mit einer leckeren Fischsuppe.

 

Wen findest Du besser? Batman oder Joker?

Als Kind habe ich manchmal alte Folgen der Serie Batman aus den 1960er Jahren geschaut. Ich muss zugeben, damals immer die Bösewichte interessanter gefunden zu haben. Und wenn schon die gute Seite, fand ich Robin besser als Batman.

 

Ist Game of Thrones die beste Serie der Welt?

Das kann nicht sein, da „The Wire“ über eine Polizeieinheit in Baltimore und den Strukturwandel dieser amerikanischen Großstadt schon die beste Serie der Welt ist. Ich habe Game of Thrones aber auch noch nie gesehen, muss ich zugeben. Ansonsten bin ich auch ein großer Fan der Serie „4 Blocks“, die in Berlin spielt.

 

Liest Du lieber den FOCUS oder den SPIEGEL?

Weder noch, weil ich beide Magazine nicht für informativ halte, sondern für zunehmend flach. Ich informiere mich über das tagesaktuelle politische Geschehen meist über die digitalen Angebote überregionaler Tageszeitungen sowie in den Fällen, in denen das möglich ist, direkt über Primärquellen, das heißt über öffentlich zugängliche Dokumente und Vorlagen aus Ministerien, Parlamenten oder vergleichbaren Institutionen, und bilde mir dann auf dieser Basis ein eigenes Urteil. Zudem lese ich zur inhaltlichen Vertiefung von Themen auch möglichst Fachliteratur, sofern es die Zeit zulässt.

 

Trinkst Du lieber Altbier oder Pils?

Streiche das Wort oder. Ich mag beide Biersorten gerne. Selbst Kölsch trinke ich ab und an, wenn kein anderes Bier da ist 😉. Passen muss ich aber bei Weizenbier und Schwarzbier, die mag ich gar nicht. Jetzt im heißen Sommer tut nach dem Sport auch ein erfrischendes alkoholfreies Bier echt gut!

 

Dein Lieblingsbuch über Deutschland?

Puh, da gibt es ja wirklich viele, aber ich wähle Bücher jetzt generell nicht danach aus, ob sie von Deutschland handeln. An deutschsprachigen Schriftstellern, die über das Land, über Verhältnisse und Milieus in Deutschland geschrieben haben oder schreiben, mag ich zum Beispiel  den wirklichen Begründer der erst später sogenannten „Pop-Literatur“ Jörg Fauser und seinen Roman Rohstoff, Benjamin von Stuckrad-Barres Buch Panikherz oder auch Christian Kracht, zum Beispiel seinen Roman Faserland. Sehr beeindruckt hat mich auch Katharina Hackers Roman Die Erdbeeren von Antons Mutter. Sehr berührt und gefesselt hat mich außerdem die Biographie über Golo Mann, die der Historiker Tilmann Lahme verfasst hat.

 

Was ist das gemütlichste Plätzchen in der Heinrich-Heine-Universität?

Ich mag die Heinrich-Heine-Universität wirklich sehr und kenne sie gut, aber das Wort Gemütlichkeit assoziiere ich jetzt nicht sofort mit dem Campus. Es gibt gewiss schöne Plätzchen, insbesondere im Sommer auf der Wiese zwischen Uni-Bibliothek und Philosophischer Fakultät war es sehr schön, oder auch auf der Wiese vor dem AStA-Gebäude, wo zum Beispiel immer das Musikfestival Sommerkult stattfindet. Anlässlich des Filmfestes an der Heine-Uni wurde auch der Audimax immer sehr schön cineastisch geschmückt. Seit einigen Jahren hat die HHU mit dem Haus der Universität ja auch eine Dependance in der Innenstadt auf dem Schadowplatz. In dem Gebäude gibt es im Untergeschoss einen richtig gut gemachten Vortragssaal.

Philipp Tacer kandidiert für den Stadtrat der Landeshauptstadt Düsseldorf

 

Kommen wir zur Sache und reden über Politik.

Seit wann bist Du in der SPD?

Ich bin im Jahr 2000, im Alter von 16, in die SPD eingetreten. Das war kurz vor der damaligen NRW-Landtagswahl im Mai.

 

Wollen Sozialdemokraten alles verstaatlichen?

Ich neige manchmal bei solchen Fragen dazu, auch etwas grundsätzlicher darüber nachzudenken, wer oder was der Staat eigentlich ist. Im Grunde ist der Staat eine außerordentlich sinnvolle Konstruktion, in der auf demokratische und zivile Weise das Zusammenleben der Menschen organisiert und gestaltet wird. Somit sind wir alle souveräner Bestandteil des Staates und wirken im Rahmen unserer demokratischen Teilhabe an der Entwicklung unseres Staates und unserer Gesellschaft mit. Alle Macht geht von der Bevölkerung aus. Ich bin dagegen, den Staat als etwas böses oder lebensfernes zu bezeichnen, denn der Staat ist die Institution, in der wir miteinander die Regeln unseres Zusammenlebens organisieren.

Ich drücke mich aber auch nicht vor einer konkreteren Antwort auf die Frage. Um es klar zu sagen: Es gibt Angebote und Dienstleistungen, die gehören in öffentliche und soziale Verantwortung und sollten dem gewinn- und renditeorientierten Markt entzogen werden. Das betrifft meiner Meinung nach zum Beispiel Krankenhäuser, Schulen, Stadtwerke, Bus und Bahn, Pflegeheime und auch die Müllabfuhr und die Straßenreinigung. Bei solchen Dingen, wo in der Vergangenheit Leistungen dieser Art privatisiert worden sind, müssen die Privatisierungen rückgängig gemacht werden und die Angebote wieder in die öffentliche Hand zurückkehren. Wir haben doch auch erst jüngst während der Corona-Pandemie wieder einmal deutlich gesehen, wie wichtig ein handlungsfähiger Staat und ein gut organisierter öffentlicher Sektor für eine sichere, soziale gerechte und auch wirtschaftlich leistungsfähige Gesellschaft sind. Ich finde, dass auch die Versorgung der Menschen mit bezahlbaren Wohnungen den teilweise radikalen Renditeerwartungen von privaten Investoren ein Stück weit entzogen werden muss. Ich setze mich für ein gute und zukunftsfähige Gesellschaft ein, und die werden wir ohne einen starken, die Dinge gestaltenden Staat nicht erreichen. Ein handlungsfähiger Staat und innovative und erfolgreiche private Unternehmen widersprechen sich im Übrigen auch gar nicht, im Gegenteil. Auch wenn ich mich mit Unternehmer*innen oder jungen Gründer*innen unterhalte, sagen die mir, dass sie einen leistungsfähigen und modernen Staat für sinnvoll halten.

 

 

Denken Politiker*innen zu sehr in Legislaturperioden? Schielen sie nur nach der nächsten Wahl und versäumen sie es dadurch, die notwendigen langfristigen Aufgaben in Angriff zu nehmen?

Nein, dieses Klischee von Politik und Politiker*innen ist falsch. Gerade in der Kommunalpolitik, wo die Mitglieder des Rates und der Bezirksvertretungen ehrenamtlich aktiv sind. Den Menschen, die sich in der Kommunalpolitik engagieren, den geht es um die Sache, die sind politisch aktiv geworden, weil sie ein Thema oder auch ein Grundwert antreibt und sie ihre Stadt weiter verbessern möchten. Das gilt im Übrigen auch für 98% aller Politiker*innen im Landtag und im Bundestag. Aber natürlich wird auch auf Wahlergebnisse und die Erwartungen der Menschen geschaut, aber das ist doch das Wesen der Demokratie, dass Politiker*innen sich ihre Handlungen durch die Wählerinnen und Wähler legitimieren lassen müssen und nicht losgelöst von der Bevölkerung agieren können.

 

Sprechen wir über dein Schaffen im Düsseldorfer Stadtrat.

Du bist Ratsherr der Stadt Düsseldorf und unter anderem im Kulturausschuss tätig. Was kannst Du uns zu deiner Tätigkeit sagen? Geht es da immer nur um Museen? Oder Opern?

Ich bin begeistert, was wir gerade seit 2014 als „regierende“ Fraktion im Stadtrat und gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Geisel in der Kulturpolitik bewegen konnten. Wir haben das Schauspielhaus generalsaniert, bauen gerade eine neue Zentralbibliothek in der Innenstadt und haben auch die finanzielle Förderung der freien Kulturszene verdoppelt. Wir haben auch einen neuen Schwerpunkt auf Kunst im öffentlichen Raum und auf spannende Festivals und Fotoausstellungen in Düsseldorf gesetzt. Besonders freue ich mich auch über den großen Erfolg des von der SPD eingeführten eintrittsfreien Sonntags in unseren Düsseldorfer Museen. Das werden wir auch noch weiter ausbauen.

 

Im Ausschuss für Umweltschutz ist dein wichtigstes Anliegen was?

Für mehr Umweltgerechtigkeit zu sorgen, denn gerade Menschen mit kleinem oder mittlerem Einkommen sind meist die ersten, die von negativen Umweltfolgen vor Ort wie dreckiger, ungesunder Luft, starkem Verkehrslärm oder zu viel Hitze im Sommer betroffen sind. Besonders eingesetzt habe ich mich zum Beispiel für die Mittelerhöhung für die von der Stadt geförderte Energiesparberatung, mit der wir arbeitssuchenden Menschen eine Weiterqualifikation zu Energieberatern anbieten und diese Energieberater dann einkommensschwache Haushalte dabei beraten, wie der Energieverbrauch in der Wohnung ohne Einschränkungen der Lebensqualität reduziert werden kann. Diese Maßnahme ist dreifach gut: sie schafft Beschäftigungsverhältnisse, sie ist aktiver Klimaschutz und sie ist sozial gerecht, weil Menschen mit wenig Geld Kosten sparen können. Auch die Tatsache, dass wir in Düsseldorf seit einigen Jahren nun auch sozial-ökologische Pfandringe an Mülleimern haben, geht auch ganz konkret auf mein Engagement zurück.

 

Behandelt ihr im Ausschuss auch Themen des Klimawandels? Was sind da die wichtigsten Herausforderungen für eine Stadt wie Düsseldorf?

Zum einen besteht die Herausforderung darin, als Großstadt den notwendigen Anteil zu leisten, um die Erderwärmung zu begrenzen. Da müssen alle Großstädte mitziehen, sowohl aus globaler als auch lokaler Verantwortung. Wir haben beschlossen, dass Düsseldorf 2035 klimaneutral sein soll. Das ist ein ambitioniertes und richtiges Ziel, und wir haben auch die konkreten Ideen und auch schon in der Umsetzung stehende Maßnahmen, mit denen wir das tatsächlich erreichen können. Stichworte sind hier die Verkehrswende, mehr erneuerbare und dezentrale Energie, mehr Fernwärme statt fossiler Brennstoffe zum Heizen von Gebäuden und der Einsatz von neuen, umweltfreundlichen Technologien in unserer Wirtschaft. Aber wir müssen – und das tun wir mit dem Düsseldorfer Klimaanpassungskonzept – unsere Stadt auch auf die heute schon nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels vorbereiten. Das heißt mehr Begrünung von Plätzen und Gebäuden und auch Kälteinseln und Wasserspender im öffentlichen Raum. Wir können hier von Paris eine Menge lernen und wollen das auch umsetzen.

 

Kannst Du uns etwas über die Umgestaltung des ehemaligen Gefängnisgeländes Ulmer Höh erzählen? Wie wird z.B. die Kapelle weiter genutzt?

Die Kapelle auf dem Gebiet Ulmer Höh
Die Kapelle auf dem Gebiet Ulmer Höh Bild: Jens Sarton

Die zukünftige Nutzung des Geländes rund um die ehemalige JVA Ulmer Höh ist ein Top-Thema meiner Derendorfer Wahlkreisarbeit. Ich beackere das Thema übrigens nicht alleine, sondern insbesondere zusammen mit unserer sehr engagierten Bezirks-Seniorenrätin Marlene Utke, der Derendorfer Wohngruppe „WiG – Wohnen und Gemeinschaft“ und mit dem von dem Künstler Horst Wackerbarth mitgegründeten Verein „Leben und Kultur Ulmer Höh“. Die Kapelle wird auf jeden Fall erhalten und muss – so ist es festgeschrieben – öffentlich genutzt werden. Geplant sind zum Beispiel ein Bürgersaal und Atelier- und Ausstellungsräume für Künstler*innen. Das Kernstück bilden aber sowohl auf dem nördlichen wie südlichen Teil des Geländes Ulmer Höh deutlich über 500 neue Wohnungen, dank des Einsatzes der SPD vor Ort werden die meisten davon zu öffentlich geförderten und fairen Mieten für alle Generationen gebaut. Das ist ein echter wohnungspolitischer Erfolg. Was mich als Umweltpolitiker auch freut: Die Konzepte für die Kapelle und die umliegenden Gebäude sehen ziemlich gute und ökologische Lösungen für die Begrünung und die Energieversorgung vor.

 

Du trittst für die SPD wieder als Ratskandidat an. Was möchtest Du unbedingt in der nächsten Wahlperiode für Düsseldorf erreichen?

Ich möchte das Thema bezahlbares Wohnen zu fairen Mieten noch wirkungsvoller und breiter angehen. Bei den Wohnungen, die in Düsseldorf aktuell neu gebaut werden, haben wir schon viel erreicht, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Wir müssen uns jetzt um die Mieterinnen und Mieter kümmern, die in ihrer Wohnung bleiben möchten, aber Sorge vor zu hohen Mieten und Mieterhöhungen haben. Ich setze mich daher dafür ein, dass überzogene Mietsteigerungen in den Stadtteilen wie Derendorf durch eine Wohnraumschutzsatzung zukünftig verhindert werden. So eine Regelung ist möglich, wenn es dafür eine politische Mehrheit gibt.

 

Vielen Dank, Philipp Tacer.

 

Die Interviewfragen stellte Jens Sarton.