Interview mit Ratskandidat Matthias Herz

Guten Morgen Matthias, zum Warmwerden stelle ich dir ein paar unverfängliche Fragen.

Was hast Du heute zum Frühstück gegessen?

Gar nichts. Ich mache seit ca. einem halben Intervallfasten und habe mich aus praktischen Gründen dafür entschieden, das Frühstück wegzulassen und erst um zwölf die erste Mahlzeit zu mir zu nehmen. Das klappt eigentlich ganz gut. Mit ein bißchen mehr Bewegung, den weitestgehenden Verzicht auf Zucker und anderen kleinen Nahrungsumstellungen bin ich so 25 Kilo los geworden. Aber da muss man dranbleiben, sonst sind die ganz schnell wieder drauf.

 

Wen findest Du besser? Die Toten Hosen oder Herbert Grönemeyer?

Die Toten Hosen, obwohl ich gestehen muss, dass ich kein großer Fan mehr bin. Das ist mir in den letzten Jahren alles etwas zu seicht geworden. Und dann hab ich mich schlicht und einfach an einigen Songs überhört. Grönemeyer war natürlich mein Held früher – schließlich bin ich in Bochum geboren, lebe allerdings schon seit 1972 in Düsseldorf. Insofern habe ich die berühmte Zeile „wer wohnt schon in Düsseldorf“ immer sehr persönlich genommen.

 

Matthias Herz kandidiert für den Stadtrat der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Liest Du lieber ein Buch oder eine Zeitung?

Das läßt sich so pauschal nicht sagen. Ich lese auf jeden Fall mehr Zeitung als Bücher, was ich manchmal bedaure. Ich bin aber ein Nachrichtenjunkie, informiere mich natürlich auch digital, aber die Süddeutsche an einem Sonntagvormittag durchzuackern, dass macht schon Spaß. Da kann ein digitaler Newsfeed einfach nicht mithalten.

 

Trinkst Du lieber Altbier oder Pils?

Wenn es Alt aus dem Fass gibt, dann definitiv Altbier – aber auch da am liebsten Alt von unseren Hausbrauereien. Aus der Flasche ziehe ich aber Pils vor.

 

Dein Lieblingsgedicht über Deutschland?

Die Kinderhymne von Berthold Brecht.

 

Würdest Du dir ein Elektroauto oder ein Elektro-Fahrrad kaufen?

Um es mit einer berühmten Werbe-Figur zu sagen: Ich habe gar kein Auto. Weder Verbrenner noch Elektro. Ich komme mit einem E-Bike und dem ÖPNV bestens zurecht und vermisse nichts.

 

Kommen wir zur Sache

Seit wann bist Du in der SPD?

Ich bin im Oktober 1982 nach dem Mißtrauensvotum gegen Helmut Schmidt und der Wahl von Helmut Kohl durch den Bundestag eingetreten. Ich war allerdings von zu Hause aus vorbelastet. Ich erinnere mich noch gut, wie ich als kleiner Steppke meine Mutter zu Wahlkampfständen begleitet habe. Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten – entweder man rebelliert oder man wird geprägt. Bei mir war es dann wohl letzteres.

 

Matthias Herz wünscht sich stabile Mehrheiten. Bild: Jens Sarton

Angesichts der Schwierigkeiten der etablierten Parteien sichere Mehrheiten zu gewinnen, sollte man dann nicht mehr Minderheitsregierungen wagen?

Das ist nicht so leicht zu beantworten. Grundsätzlich bin ich kein Freund von Minderheitsregierungen, sondern finde,  stabile Verhältnisse sind in einer Demokratie von Vorteil. Sie bieten Verlässlichkeit und Orientierung. Nun sind aber durch die gesellschaftliche Entwicklung eben diese Verhältnisse so nicht mehr gegeben – die Wählerschaft ist flexibel geworden, soziale Milieus haben sich gewandelt oder sogar aufgelöst, das wissen wir alles. Wir werden über kurz oder lang also gar nicht drumherumkommen, mit diesem Instrument zu arbeiten, wenn wir nicht Stillstand oder Lähmung der parlamentarischen Demokratie erleben wollen. Wir haben in Thüringen gesehen, wohin das führen kann. Ich fände es deshalb gut, wenn mutiger über solche Modelle nachgedacht wird, wo sie helfen können und sinnvoll sind. Die zweieinhalb Jahre Minderheitsregierung in NRW unter Hannelore Kraft waren nicht die schlechtesten und haben am Ende sogar dazu geführt, dass die SPD gestärkt daraus hervorgegangen ist.

 

Staatliche Eingriffe bremsen den Wohnungsbau. Siehst Du das auch so?

Definitiv nicht. Wir haben eher zu wenig Eingriffe als zu viele. Nirgendwo wird meines Erachtens deutlicher als im Wohnungsmarkt, dass der Markt eben nicht dafür sorgt, dass es gerecht zugeht und alle Bedürfnisse befriedigt werden. Wohnen ist ein Menschenrecht, dass nicht rein nach Marktgesetzen organisiert werden darf.

 

Über dein Schaffen im Düsseldorfer Stadtrat

Du bist Ratsherr der Stadt Düsseldorf und, unter anderem, Sprecher der SPD im Ordnungs- und Verkehrsausschuss. Was macht man da? Wurden dort auch die Umweltspuren besprochen?

Auf der Karlstraße ist nun ein Fahrradweg entstanden. Bild: Jens Sarton

Die Umweltspuren wurden da nicht nur besprochen, sie wurden dort beschlossen. Anders als im Rat hat es im Ausschuss mit rot-rot-grün eine Mehrheit dafür gegeben. Das große Oberthema im Verkehrsausschuss ist die Umsetzung der Verkehrswende auf kommunaler Ebene. Über die Notwendigkeit, den Verkehr in den Städten anders zu organisieren, besteht meines Erachtens in Zeiten des Klimawandels und der Luftbelastung überhaupt kein Zweifel. Das Konzept der autogerechten Stadt hat ausgedient, es ist klar – das Auto kann vor allem in den Städten nicht mehr das Verkehrsmittel der Zukunft sein. Andere Städte sind da schon viel weiter – das berühmte Beispiel Kopenhagen zeigt, wie der Anteil des Fahrradverkehrs auf über 50 %  erhöht werden kann. In Wien zeigt sich, wie gut organisierter und preiswerter öffentlicher Nahverkehr die Stadt vom Autoverkehr entlasten kann. Nicht alles läßt sich eins zu eins übertragen – schon gar nicht in kurzer Zeit. Aber wir müssen uns auf den Weg machen und wir haben in Düsseldorf schon einiges erreicht – insbesondere bei der Förderung des Radverkehrs. Ich wünsche mir sehr, dass der neue Stadtrat diesen Weg mutig weitergeht und möchte gerne dabei mitarbeiten.

 

Im Wohnungsausschuss ist dein wichtigstes Anliegen was? Auch bei uns in der Stadt ist zunehmend eine Gentrifizierung zu beobachten. Muss Wohnen immer teurer werden? Sorgt Gentrifizierung für eine bessere soziale Mischung in Düsseldorf?

Alle Befragungen zeigen, dass das Thema Wohnen die Menschen am meisten bewegt. Werde ich mir meine Wohnung auch in Zukunft leisten können? Wird meine Wohnung verkauft? Finde ich bezahlbare Alternativen? Und natürlich die Frage für die diejenigen, die nach Düsseldorf ziehen – finde ich überhaupt eine bezahlbare Wohnung? Viel zu lange hat sich Düsseldorf um diese Themen gedrückt. Noch in den 2000er Jahren lautete die Botschaft, es gäbe kein Problem auf dem Wohnungsmarkt. Es gab Zukunftsprognosen, die von den schrumpfenden Städten sprachen und sogar ein Überangebot an Wohnraum voraussagten. Eingetreten ist das Gegenteil und die Politik hat viel zu spät reagiert. Erst seit 2014 genießt die Wohnungspolitik wieder die Priorität, die in einer wachsenden Stadt notwendig ist. Und wir sehen jetzt die Erfolge. Erstmal ist es in Düsseldorf gelungen, mehr geförderte Wohnungen zu errichten als aus der Bindung gefallen sind. Auch das Ziel, insgesamt rund 3000 Wohnungen im Jahr zu errichten ist fast erreicht. Das brauchte alles seine Zeit – denn in kaum einem anderen Bereich dauert es so lange, bis andere Weichenstellungen auch Ergebnisse zeigen wie im Wohnungsbau. Das liegt in der Natur der Sache.

Wir arbeiten daran, alles dafür zu tun, dass Wohnen auch in Zukunft in Düsseldorf nicht nur für Gutverdienende möglich ist, sondern dass auch die viel zitierte Mittelschicht und gering verdienende  weiter hier wohnen können. Denn sonst ist es mit der sozialen Mischung vorbei und wir spalten die Stadt in Viertel, wo Reichenghettos entstehen und Viertel, die  gemeinhin als prekär bezeichnet werden. Das darf nicht die Entwicklung sein, die Düsseldorf nimmt.

 

Der Worringer Platz ist so ein bisschen das Schmuddelkind unseres Viertels. Stimmt das?

Der Worringer Platz ist in der Tat schon immer problematisch gewesen. Das liegt vor allem, dass seine Aufenthaltsqualität inmitten von Autoverkehr mehr als problematisch ist. Daran hat leider auch die aufwändige letzte Umgestaltung nicht viel ändern können. Auf der anderen Seite ist in der Umgebung des Platzes mit der Künstlerinitiative Gasthof Worringer Platz, der weltweit beachteten Kunstaktion „Von fremden Ländern in eigenen Städten“ von Markus Ambach und anderen Initiativen, viel Kreatives im Umfeld entstanden. Da ist etwas Urbanes entstanden, dass unbedingt weiterentwickelt werden sollte. Gleichzeitig müssen wir aber auch schauen, dass wir durch intelligente Maßnahmen dafür sorgen, dass der Worringer Platz und die Umgebung nicht kippt. Baulich läßt sich das meines Erachtens nur erreichen, wenn der Platz von der Last des Verkehrs weitgehend befreit wird.

 

Du trittst für die SPD wieder als Ratskandidat an. Was möchtest Du unbedingt in der nächsten Wahlperiode für Düsseldorf erreichen?

Ich habe oben schon einiges aus dem Bereich Verkehr und Wohnen skizziert. Ich hätte allerdings bei meiner Kandidatur nicht damit gerechnet, dass wir uns jetzt auch damit beschäftigen müssen, wie es nach dem hoffentlichen Ende der Pandemie weitergeht. Die Corona-Krise wird tiefe Spuren nicht nur im städtischen Haushalt hinterlassen. Ich will gerne daran mitwirken, dass wir jetzt die richtigen Schlüsse ziehen und die Krise als Chance nutzen, unsere Mobilität nachhaltig auszurichten, den Klimawandel ernst zu nehmen und dafür sorgen, dass in Düsseldorf weiterhin alle wohnen können, die es hierherzieht. Diese wunderbare Stadt ist es wert, dafür hart zu arbeiten.

 

Vielen Dank, Matthias Herz.

 

Die Interviewfragen stellte Jens Sarton.